Jom Kippur

Veröffentlicht: 2008/10/08 in Judaica

Heute Abend sind nun die 10 Busstage vorbei und es beginnt der Höchste der Feiertage JOM KIPPUR (Versöhnungstag).

Der zehnte Tag desselben siebenten Monats ist jedoch der Versöhnungstag; da ist heilige Versammlung für euch; ihr sollt euch fastend kasteien und dem Herrn ein Feueropfer darbringen. An diesem Tag sollt ihr keinerlei Arbeit verrichten, denn der Versöhnungstag soll euch vor dem Herrn, eurem G’tte, Sühne schaffen. Wer immer an eben diesem Tage nicht fastet, soll aus seinem Volk ausgetilgt werden. Jeden, der an diesem Tage irgendeine Arbeit verrichtet, werde ich mitten aus seinem Volk hinwegraffen. Keine Arbeit dürft ihr verrichten! Das ist eine immerwährende Satzung für all eure Geschlechter in all euren Wohnstätten. Ein Sabbat, ein heiliger Ruhetag soll es für euch sein, ihr sollt euch fastend kasteien. Am neunten des Monats — von diesem Abend bis zum folgenden — sollt ihr euren Ruhetag beobachten. ( Leviticus 23, 27 – 32 )

Erew Jom Kippur, der Vortag des Versöhnungsfestes, ist beinahe selbst ein Fest. Man darf an diesem Tage nicht fasten, und selbst wer ein Gelübde getan hat, nicht einmal an einem Feiertag Fleisch zu essen, soll es heute dennoch tun. Man spricht kein Bußgebet am Morgen, man ißt kein Ei und man vermeidet jedes Zeichen von Trauer.

Des Abendg’ttesdienst hat auch den Namen des Eingangsgebetes Kol Nidre ( hier die Noten mit Umschrift)

 

"Die Kol-Nidre-Melodie ist berühmt als ein Glanzstück getragener, ernster, erhabener Musik. Man hat ihr die Ehre eines Vergleichs mit Chopins Trauermarsch erwiesen. Es gibt sogar einen bekannten Fall, wo sie an Stelle eines Trauermarsches verwendet wurde, es war die letzte Ehre, die Nikolaus Lenau (1802 – 1850) sich durch seinen letzten Wunsch erweisen ließ. Und er Generalfeldmarschall von Moltke ließ sich die Melodie mehrmals von Joseph Joachim (1831 – 1907) vorspielen. Kurzum, die Kol-Nidre-Musik hat die verschiedensten Liebhaber auch unter Nichtjuden gefunden. Man bekommt sie in Konzerten mit großem Orchester und von Violinvirtuosen zu hören. Sie findet sich selbst auf den Programmen der Kurkapellen von Weltbädern. Sie hat auf Schallplatten Rekordauflagen erreicht, die manchen Schlager beschämen könnten." [Hirsch, S. 162]

Übersetzt beinhaltet das Kol nidre folgendes :

"Mögen wir von allen Gelübden und Verpflichtungen freigesprochen werden, die wir G’tt gegenüber vergeblich machen werden von diesem Versöhnungstag an bis zum nächsten Versöhnungstag, der zu unserem Wohle kommen möge; von den Aufgaben und Versprechungen, die wir nicht erfüllen können, von der Einsatzbereitschaft, die wir besser nicht aufgebracht, und von den Unternehmungen, die wir besser nicht angefangen hätten.

Wir bitten darum, daß wir Vergebung erhalten und freigesprochen werden von unserem eigenen Versagen. Alle Versprechen, die wir unseren Mitmenschen gemacht haben, bleiben erhalten. Möge G’tt uns aber von den leeren Versprechungen freisprechen, die wir in unserer Dummheit G’tt gegenüber machen. Möge G’tt uns vor ihren Konsequenzen bewahren.

Lege uns nicht auf solche Gelübde fest!
Lege uns nicht auf solche Verpflichtungen fest!
Lege uns nicht auf solche leeren Eide fest!"

Zum Verständnis des Kol Nidre ist zu sagen, dass sich dies nur auf Gelübde usw. gegenüber G’tt bezieht. Der Versöhnungstag sühnt die Sünden zwischen einem Menschen und G’tt. Die Sünden zwischen einem Menschen und seinem Mitmenschen sühnt der Versöhnungstag nicht.  Kol Nidre darf also nicht , wie es oft getan wird, als Beweis dafür gesehen werden, dass Versprechen und Eide von Juden nicht eingelöst werden müssen!

Am Jom Kippur gelten alle Schabbatvorschriften  und dazu noch  gelten für jeder Jude mit Ausnahme von Schwerkranken und Wöchnerinnen, ‚von Abend zu Abend‘ die Folgenden:

  • darf weder Speise noch Trank zu sich nehmen
  • weder Lederschuhe noch Stiefel anziehen
  • sich weder baden noch waschen, sondern nur die Finger und die Augen netzen
  • sich weder mit Öl noch wohlriechendem Wasser und dergleichen einreiben
  • und sich auch sonst keinen Genuß gönnen

Der G’ttesdienst dauert ohne Unterbrechung vom Anbruch des Tages bis zum Aufgang der Sterne. Dann wird gemeinsam mit der Gemeinde "angebrochen", d.h. es wird etwas leichtes gegessen.

 

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