Archiv für die Kategorie ‘Gedichte’

 

 

Wenn die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
"Glockenklingen" sich auf "Lenzesschwingen"
endlich reimt,
Und der Osterhase hinten auch schon preßt,
Dann kommt bald das Osterfest.
Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –
Dann mit jenen Dichterlingen
Und mit deren jugendlichen Bräuten
Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – –
Ach, das denk ich mir entsetzlich,
Außerdem – – unter Umständen –
Ungesetzlich.
Aber morgens auf dem Frühstückstische
Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme
Durch geheime Gänge und Gedärme
In die Zukunft zieht,
Und wie dankbar wir für solchen Segen
Sein müssen.
Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
Die so langgezogene Kugeln legen.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Freunden schöne Tage!

Und nicht zu viel Naschen 🙂  *lach*

Nicht das mir hinterher wieder jemand erzählt, dass die Tastatur wieder verklebt ist *grins*

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Erinnerung

Veröffentlicht: 2008/10/13 in Gedichte

Eigentlich ist es sehr persönlich und keiner von Euch kennt SIE. Aber ich möchte trotzdem auch mal an meine Mutter erinnern, die jetzt schon 10 Jahre verstorben ist. Und eigentlich kommt es mir vor, als wenn es gestern war, als ich ihre warme Hand noch halten konnte und durfte.

Eines ihrer Lieblingsgedichte, über das wir stundenlang diskutieren konnten, war das Folgende:

Mutterliebe

Drei Sterne weiß ich, welche Licht
Den letzten Nächten spenden;
Sie leuchten still, sie prahlen nicht,
Es ist kein eitles Blenden.

Das Dunkel lastet tief und schwer,
Was lindert deine Scheue?
Die Sonn` erlosch, doch nimmermehr
Der Stern der M u t t e r t r e u e.

Am Abgrund irrst du, siehst ihn nicht,
In Finsternis verborgen.
Wer zeigt ihn dir? Aus Wolken bricht
Der Stern der M u t t e r s o r g e n.

Wenn alle Welt den Armen läßt,
Und wenn kein Wort ihm bliebe,
Am ew` gen Himmel stehst du fest,
Stern heil`ger M u t t e r l i e b e.

O Mutterliebe, -sorg` und-treu`!
Nie ausgeschöpfte Güte!
Und immer alt und immer neu!
Daß dich die Allmacht hüte!

 

Es ist von Carl Leberecht Immermann (1796 -1840), einem deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker.

 

Meine Mutter war eine wirklich tolle Frau:

energisch aber unheimlich liebevoll,

konsequent aber nicht nachtragend,

unheimlich belesen aber nicht eingebildet.

Und hilfsbereit, das alles war SIE und das ist das, was ich antworten würde, wenn jemand mich nach den Eigenschaften von ihr fragen würde.

The Garden of Love                                 

I went to the Garden of Love,
And I saw what I never had seen:
A Chapel was built in the midst,
Where I used to play on the green.
 
And the gates of this Chapel were shut,
And Thou shalt not. Writ over the door;
So I turn’d to the Garden of Love,
That so many sweet flowers bore.
 
And I saw it was filled with graves,
And tomb-stones where flowers should be:
And Priests in black gowns, were walking their rounds,
And binding with briars, my joys & desires.

 


Der Garten der Liebe                                 

Ich ging in den Garten der Liebe
Und sah, was ich niemals geschaut:
Eine Kapelle war, wo im Grünen
Als Kind ich einst spielte, gebaut.
 
Und die Pforten waren verschlossen,
und Du sollst nicht stand über der Tür;
So wandte ich mich zum Garten
Und suchte nach Blumen wie früh’r.
 
Statt Blumen fand ich dort Gräber
Und Grabsteine um sie herum
Gingen Priester in Scharen in schwarzen Talaren,
Die spießten mit Stangen mein Glück und Verlangen.
 
William Blake   


Gedicht von Virginia Satir

Veröffentlicht: 2008/05/21 in Gedichte

Ich bin ich

Auf der ganzen Welt gibt es niemanden wie mich.
Es gibt Menschen, die mir in vielem gleichen,
aber niemand gleicht mir aufs Haar.

Deshalb ist alles, was von mir kommt, mein Eigenes,
weil ich mich dazu entschlossen habe.
Alles, was mit mir zu tun hat, gehört zu mir.

Mein Körper, mit allem was er tut,
mein Kopf, mit allen Gedanken und Ideen,
meine Augen, mit allen Bildern, die sie erblicken,
meine Gefühle, gleich welcher Art –
Ärger,
Freude,
Frustration,
Liebe,
Enttäuschung,
Begeisterung.

Mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen,
höflich, lieb oder schroff, richtig oder falsch.
Meine Stimme, laut oder leise,
und alles, was ich mir selbst oder anderen tue.

Mir gehören meine Phantasien,
meine Träume, meine Hoffnungen, meine Befürchtungen,
mir gehören all meine Siege und Erfolge
und all meine Niederlagen und Fehler.

Weil ich mir ganz gehöre,
kann ich mich näher mit mir vertraut machen.
Dadurch kann ich mich lieben
und alles, was zu mir gehört, freundlich betrachten.
Damit ist es mir möglich,
mich voll zu entfalten.

Ich weiß, dass es einiges an mir gibt,
das mich verwirrt, und manches,
das ich noch gar nicht kenne.
Aber solange ich freundlich und liebevoll mit mir umgehe,
kann ich mutig und hoffnungsvoll
nach Lösungen für Unklarheiten schauen
und Wege suchen,
mehr über mich selbst zu erfahren.

Wie auch immer ich aussehe und mich anhöre,
was ich sage und tue,
was ich denke und fühle,
immer bin ich es.

Es hat seine Berechtigung,
weil es ein Ausdruck dessen ist,
wie es mir im Moment gerade geht.
Wenn ich später zurückschaue,
wie ich ausgesehen und mich angehört habe,
was ich gesagt und getan habe,
wie ich gedacht und gefühlt habe,
kann es sein,
dass sich einiges davon als unpassend herausstellt.

Ich kann das, was unpassend ist, ablegen
und das, was sich als passend erwiesen hat, beibehalten
und etwas Neues erfinden für das,
was ich abgelegt habe.

Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, sprechen und handeln.
Ich besitze die Werkzeuge, die ich zum Überleben brauche,
mit denen ich Nähe zu anderen herstellen
und mich schöpferisch ausdrücken kann,
und die mir helfen,
einen Sinn und eine Ordnung
in der Welt der Menschen und der Dinge
um mich herum zu finden.

Ich gehöre mir
und deshalb kann ich aus mir etwas machen.
Ich bin ich
und so, wie ich bin, bin ich ganz in Ordnung.


Der Sonnenuntergang / H. Heine

Veröffentlicht: 2007/07/20 in Gedichte
Zuerst möchte ich ALLEN eine schöne Urlaubszeit wünschen. Gleichzeitig möchte ich mich bis Ende August abmelden, da nun unser Familienmonat gekommen ist.
Alle, die verreisen, denen wünsche ich eine gute Reise, wenig Staus, und die zu Hause bleiben, denen wünsche ich viel Spaß mit Freunden und Familie.
So nun aber das versprochene Gedicht, dass zu meinem neu hochgeladenen Bild gehört:
 
Die glühend rote Sonne steige

Hinab ins Weitaufschauernde,

Silbergraue Weltenmeer;

Luftgebilde, rosig angehaucht,

Wallen ihr nach; und gegenüber,

Aus herbstlich dämmernden Wolkenschleiern,

Ein traurig todblasses Antlitz,

Bricht hervor der Mond,

Und hinter ihm, Lichtfünkchen,

Nebelweit, schimmern die Sterne.

 

Einst am Himmel glänzten,

Eh’lich vereint,

Luna, die Göttin, und Sol, der Gott,

Und es wimmelten um sie her die Sterne,

Die kleinen, unschuldigen Kinder.

 

Doch böse Zungen zischelten Zwiespalt,

Und es trennte sich feindlich

Das hohe, leuchtende Eh’paar.

 

Jetzt am Tage, in einsamer Pracht,

Ergeht sich dort oben der Sonnengott,

Ob seiner Herrlichkeit

Angebetet und viel besungen

Von stolzen, glückgehärteten Menschen.

Aber des Nachts,

Am Himmel, wandele Luna,

Die arme Mutter,

Mit ihren verwaisten Sternenkindern,

Und sie glänzt in stiller Wehmut,

Und liebende Mädchen und sanfte

Dichter Weihen ihr Tränen und Lieder.

 

Die weiche Luna! Weiblich gesinnt,

Liebt sie noch immer den schönen Gemahl.

Gegen Abend, zitternd und bleich,

Lauscht sie hervor aus leichtem Gewölk,

Und schaut nach dem Scheidenden, schmerzlich,

Und möchte ihm ängstlich rufen: "Komm!

Komm! die Kinder verlangen nach dir -"

Aber der trotzige Sonnengott,

Bei dem Anblick der Gattin erglüht er

In doppeltem Purpur,

Vor Zorn und Schmerz,

Und unerbittlich eilt er hinab

In sein flutenkaltes Witwerbett.

 

Böse, zischelnde Zungen

Brachten also Schmerz und Verderben

Selbst über ewige Götter. Und die armen

Götter, oben am Himmel

Wandeln sie, qualvoll,

Trostlos unendliche Bahnen,

Und können nicht sterben,

Und schleppen mit sich

Ihr strahlendes Elend.

 

Ich aber‘ der Mensch,

Der Niedriggepflanzte, der Todbeglückte,

Ich klage nicht länger.