Reichspogrom: Was – wieso – warum? (3. Teil)

Veröffentlicht: 2008/11/09 in GEGEN rechts!

Der 1. Weltkrieg begann. Ab 1914 zogen natürlich deutsche Juden ebenso wie ihre christlichen Mitbürger in den Krieg. Während des 1. Weltkrieges dienten 2.000 deutsche Juden als Offiziere, 35.000 jüdische Kriegsteilnehmer bekamen Auszeichnungen und 12.000 deutsche jüdische Soldaten fanden in den Kämpfen den Tod. Trotz dieser Opfer und den Auszeichnungen, gelang es den Nationalsozialisten in den folgenden Jahren, die Lüge von der "Feigheit und Drückebergerei" der Juden zu verbreiten.

 

Bereits im Februar 1920 verbreitet die NSDAP Schriften, in denen es u.a. heißt:

"…

4. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.

5. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben und muss unter Fremdengesetzgebung stehen

…" .

Der Holocaust kam also gar nicht ganz so unverhofft, wie allgemein gern behauptet wird! Die Politik der Nationalsozialisten hatte von Beginn an die Verdrängung und Entfernung der Juden aus Deutschland zum Ziel. Die antisemitische Politik der folgenden Jahre war jedoch von unterschiedlicher Intensität.

Nach der Ernennung A. H. am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler und dem Beschluss des Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich am 23. März 1933 (Ermächtigungsgesetz/24. März verkündet) eskalieren die Dinge nach und nach. 

  • Bis Anfang März 1933 war eine relativ ruhige Zeit, obwohl die Nazis bereits während der Weimarer Republik lautstark damit drohten, mit den Juden aktiv aufzuräumen. Die Attacken gegen Juden äusserten sich vorwiegend verbal.
  • Bereits Anfang/Mitte März 1933 werden Listen  jüdischer Unternehmen in Tageszeitungen veröffentlicht. Nichtjuden hatten den Verkehr und Handel mit den Genannten zu unterlassen. Die Auflistung umfasste damals Firmen und Geschäftsbetriebe, Einzelhandel und Kaufhäuser, Rechtsanwälte und Notare, Ärzte und Zahnärzte.
  • Gleichzeitig leitet dies den s.g. Radauantisemitismus ein. Dieser dauerte bis in den Sommer. Kennzeichnend für diesen "gelenkten Straßenterror von SA und NS-Kampfbund gegen den gewerblichen jüdischen Mittelstand" ist die Kombination aus antisemitischen Straßenaktionen und ihrer nachträglichen Legitimierung durch die politische Führung
  • 10. Mai 1933 ist ein schicksalhaftes Datum, denn die Bücherverbrennungen richten einen nicht wieder gut zu machenden kulturellen Schaden an. In vielen Städten, unter anderem Berlin, Bremen, Dresden, Frankfurt, Hannover, München und Nürnberg, werden in einer organisierten Aktion Werke sozialistischer, pazifistischer, jüdischer und liberaler Autoren ins Feuer geworfen. Dies betrifft zum Beispiel Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Heinrich Mann, Karl Marx, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Arnold und Stefan Zweig.
  • Ab Juli 1933 wurde der SA-Randale Einhalt geboten. Denn die NSDAP hatte auf ihren Bündnispartner die DNVP Rücksicht zu nehmen, die im Prinzip ähnliche antisemitische Grundpositionen vertrat, das Vorgehen der SA-Schlägertrupps aber als unzivilisiert ablehnte. Außerdem gibt es negativen Reaktionen aus dem Auslandes.  Außerdem fürchtete man um die wirtschaftliche Stabilität der neuen NS-Regierung, da anhaltenden Aktionen gegen  jüdische Betriebe zwangsläufig eine Gefährdung von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen bedeutet hätte. Bis in der Frühling 1935 kann man daher von schleichender Verfolgung sprechen, denn es kamen "nur" eine Serie von behördlichen Verordnungen gegen Juden zum tragen.
  • Trotz aller Maßnahmen zur Vermeidung des Radauantisemitismus flammte dieser ab März 1935 erneut auf. Parallel wir d das Volk auf die Nürnberger Gesetze vorbereitet. Propagandaminister Goebbels veranlasste die Medien zur Hetze gegen Juden. Gleich zeitig kann man im Alltag immer mehr Schilder lesen wie z.B. auf einem Wochenmarkt Juden betreten den Markt auf eigenen Gefahr.
  • Am 15. September 1935 wird das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (sog. Blutschutzgesetz) erlassen. Danach ist die Eheschließungen von Juden und „Deutschblütigen“ verbot und außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen ihnen unter Strafe verboten.
  • Gleichzeitig tritt das Reichsbürgergesetz in Kraft. Es umfasste u.a.
    • wer als „Jude“ oder „jüdischer Mischling“ zu gelten hatte,

    • die Entlassung der letzten jüdischen Beamten und Notare,

    • die Unterbindung der Berufstätigkeit von jüdischen Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern, Rechtsanwälten und Patentanwälten,

    • die Meldepflicht und Auflistung jüdischer Gewerbebetriebe,

    • die Zwangsmitgliedschaft in der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland

    • die Auflösung aller selbstverwalteten jüdischen Organisationen

    • den Ausschluss von Juden von der öffentlichen Wohlfahrtspflege

    • das Verbot des Besuches staatlicher Schulen,

    • den Verlust der Staatsangehörigkeit beim Verlassen des Staatsgebietes und zugleich den Einzug des Vermögens,

    • den Vermögenseinzug im Todesfall

    • die Zuständigkeit der Gestapo anstelle der Gerichte

    • Berufsverbote für jüdische Schauspieler und Schriftsteller

    • Jura- und Medizinstudenten werden nicht mehr zum Examen zugelassen.

  • Erst Ende 1935, mit der Aussicht auf die Olympischen Spiele in Garmisch und Berlin 1936, endeten die Ausschreitungen gegen Juden. Im Bewusstsein, mit den Olympischen Spielen wieder mehr im Mittelpunkt und der Kritik der Weltöffentlichkeit zu stehen, wurde der offene Antisemitismus und der Straßenterror bis etwa zum Jahresende 1937 ausgesetzt.

  • Verordnung über den wirtschaftlichen Umgang mit jüdischen Kapitals und Handels vom 27. April 1938 bewirkte, dass Juden ihr  Vermögen anmelden mussten. Sie entzog der jüdischen Wirtschaft jegliche Grundlage zum Handeln. Auf Geheiß des des als antisemitisch bekannten Nationalsozialisten und Oberbefehlshaber der Luftwaffe Göring wurden Juden vom Frühjahr 1938 an gezwungen ihrer Betriebe an "Deutsche" zu Spottpreisen zu verkaufen.

  • Juni Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge

  • Die 3. Verordnung zum Reichsbürgergesetz tritt  am 14. Juni 1938 in Kraft. Hierin wird definiert, welche Gewerbebetriebe als „jüdisch“ zu gelten hatten. Diese sollten in ein gesondertes Verzeichnis eingetragen werden, das der Öffentlichkeit zugänglich war. Zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt sollten diese Geschäfte gezwungen werden, ein besonders Kennzeichen führen zu müssen.
  • Am 25. Juli 1938 tritt die Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz in Kraft. Hierin wurde jüdischen Ärzten mit Wirkung vom 30. September 1938 an die Approbation entzogen; zwei Tage später weiteten die Nazis diese Einschränkung auf jüdische Rechtsanwälte aus. Von den 3.152 noch praktizierenden jüdischen Ärzten erhielten 709 eine widerrufliche Genehmigung, als Krankenbehandler für jüdische Patienten tätig zu sein.
  • August Zerstörung der Nürnberger Synagoge und im September Beginn die Zerstörung der Dortmunder Alten Synagoge
  • Durch die Fünfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 27. September 1938 wurde jüdischen Rechtsanwälten, die gemäß einer Ausnahmeregelung im Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nach 1933 noch weiter tätig sein durften, zum 30. November 1938 die Zulassung entzogen. Eine rechtsberatende Tätigkeit war jüdischen Juristen bereits seit 1935 untersagt. Zur Vertretung und rechtlichen Beratung jüdischer Klienten wurden einige Konsulenten zugelassen. Von den noch zugelassenen 1.753 jüdischen Rechtsanwälten durften nur noch 172 als Konsulenten tätig sein.
  • Bis Oktober Auf- und Ausbau der KZ’s Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen.
  • Am 5. Oktober werden alle Reisepässe jüdischer Deutscher eingezogen, Neuausstellung nur mit Aufdruck „J“.
  • Am 31. Oktober 1938 folgte dann die Sechsten Verordnung zum Reichsbürgergesetz in Kraft, worin Juden die Betätigung als Patentanwalt untersagt wurde.
  • Ende Oktober 1938 lässt die deutsche Regierung rund 17 000 Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit gewaltsam zur polnischen Grenze transportieren.  Die polnischen Behörden weisen sie zurück. Unter elenden Bedingungen müssen sie im Niemandsland bleiben, bis sie endlich nach Polen gelassen werden.
  • Der 2. November 1938 bedeutete die Schließung aller jüdischen Geschäfte und Handelshäuser, gemäß der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem Geschäftsleben.
  • Am 7. November schießt der Jugendlicher Herschel Grynszpan, dessen Eltern sich unter den ausgewiesenen Polen befinden, auf den Botschaftsrat Ernst vom Rath der deutschen Botschaft in Paris. Sofort beginnen in einzelnen deutschen Städten wieder Gewaltaktionen gegen Juden. Der Beamte stirbt am Nachmittag des 9. November. Dies ist nun der willkommener Anlass für die deutsche Regierung den großen Aktionsplan Deutschland von Juden zu säubern zu realisieren.
  • In der Nacht vom 9. zum 10. November beginnt nun das Pogrom der sog. Reichskristallnacht.

 

Das alles sind geschichtliche Fakten. Originaldokumente sind in verschiedenen Archiven ein zu sehen.

 

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