Über Tote soll man nichts schlechtes sagen

Veröffentlicht: 2008/10/19 in GEGEN rechts!

An diesen Satz haben wohl alle gedacht, als sie bei Jörg Haider’s Trauerfeier waren.

Wie kam es dazu?

Mit 1,8 Promille Alkohol im Blut könnte Haider nach Schätzungen von Experten sogar um die 170 km/h gefahren sein, an einer Stelle, wo nur 70km/h erlaubt sind. Offiziell blieb die Temponadel der Limousine bei 142 km/h stehen Da ein Auto beim Überschlagen aber an Geschwindigkeit verliert und nach Herstellerangaben (VW) nur die Geschwindigkeitsdaten der letzten 30 Sekunden übermittelt werden,wurde diese Angabe errechnet.

EIN GLÜCK, dass bei dieser Raserei kein Außenstehender verletzt wurde, kann ich nur sagen.

 

Mittlerweile sorgt aber vor allem auch die Tatsache für Wirbel, dass Haider nach dem Besuch der Nobel-Discothek "Le Cabaret" in Velden am Wörthersee nicht nach Hause fuhr, sondern nach Klagenfurt.  Dort besuchte Haider, nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Klagenfurt, das Szenelokal "Stadtkrämer", eine stadtbekannter Treffpunkt für Homosexuelle.

Eine vermeintliche Homosexualität Haiders -wäre doch wirklich ein Schlagzeile wert. Bereits im Jahr 2000 äußerte sich die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek im Interview der "Berliner Morgenpost" dazu. Zitate: "Haider sei der Führer eines homoerotischen Männerbunds und arbeite bewusst mit homophilen Codes, natürlich ohne sich wirklich als homosexuell zu bekennen".

Das müsste doch für die Braunen ein Skandal sein, da es im krassem Widerspruch zur offiziellen Politik der rechtspopulistischen Parteien Haiders steht!

 

Vergessen waren bei der Trauerfeier auch die Aussagen Haiders, die für Aufsehen nicht nur in Österreich sorgte, wie z.B.:

"Das wissen Sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache, und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache." (1988)

"Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt."

"… Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. Und das ist eine Basis, meine lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch Korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen. (…) Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen.“  (1995 beim Treffen der Veteranen der Waffen-SS in Krumpendorf)

Wer mehr dazu lesen möchte, der findet hier eine gute Zusammenstellung von über 600 Zitaten Haiders.

Ich will hier nicht über Haider urteilen und schon gar nicht über unsere österreichischen Nachbar.

Aber wie kann ein Mensch, der den Holocaust als nicht existent darstellt, mit solchen Ehren bestattet werden??? Das ist eine Frage, die mir persönlich durch den Kopf geht.

 

Politische Meinungen / Trauerreden

Bischof Egon Kapellari:  "Er war ein Brennender, ein über sein Lebensalter hinaus mit jugendlicher Dynamik ausgestatteter Mensch." Haider habe andere verletzt und sei selbst verletzt worden. Kapellari würdigte Haiders Handschlagqualität, die er als Bischof in vielen Jahren erleben habe können. "Nun hat das unruhige, dynamische Herz des Jörg Haider zu schlagen aufgehört."

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer:  „Er hat niemanden kalt gelassen, im Positiven wie im Negativen.“ Der Sozialdemokrat beschrieb Haider als einen, der Menschen begeistert und gefesselt habe. Zudem habe Haider „ein feines Gespür dafür, was sich ändern muss“, auch wenn seine Lösungen oft umstritten gewesen seien. Der Kanzler appellierte, in der Stunde des Todes anzuerkennen, „dass es sich um einen Mann gehandelt hat, der außergewöhnlich war“.

Karlheinz Klement: Das ehemaliges FPÖ-Mitglied vermutet, dass der israelische Geheimdienst Mossad für den Unfall verantwortlich sei.

Dieter Böhmdorfer: Der frühere Justizminister  und früherer politischer Weggefährte hat eine solche Welle der Trauer "bisher nicht gekannt". Er würdigt den "Mahner und Katalysator in der Innenpolitik"

Harald Scheucher: "Herzkönig und Trumpf-Ass sind nicht mehr im Spiel". Der Klagenfurter Bürgermeister  und persönlichen Freund würdigte "den großen Kärntner". Bei all seiner Widersprüchlichkeit habe Haider mit seinem persönlichen Einsatz und seiner unglaublichen Präsenz neue Maßstäbe gesetzt. "Wir trauern um den Landeshauptmann der Herzen, wie er schon genannt wird"

Uwe Scheuch: „Wir müssen sein Lebenswerk weiterführen, für das sein Leben geopfert wurde.“  "Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf."

Gerhard Dörfler: Der amtierende Landeshauptmann verwechselt die Trauerrede mit einer parteipolitischen Bilanzpressekonferenz. „Als Jörg Haider starb, ist die Sonne vom Himmel gefallen, die Uhren sind stehen geblieben.“

 

Pressestimmen / Internet:

Der Standard: Die liberale österreichische Tageszeitung schreibt: "Das Ausmaß an Emotion und Anbetungsbedürfnis, das einem aus vielen Kärntner Seelen entgegen schlägt, ist für rationales Denken schwer zu fassen. "

Kleine Zeitung: "Kärnten nahm Abschied von seinem Landeshauptmann. Dem Politiker Haider wurde Respekt gezollt, dem Menschen Jörg Haider ein letzter Applaus gespendet."

Presse: Der Chefredakteur Michael Fleischhacker bringt einen besonderen Punkt: "Jörg Haider hat sich immer wieder als legitimer Nachfolger Bruno Kreiskys in der österreichischen Innenpolitik präsentiert." 

Tiroler Tageszeitung: "Jörg Haider war stets ein Unbequemer in der Kärntner Landespolitik und seine Art der Politik war oft umstritten. Doch eines schaffte er zuletzt auch: Er wurde ein moderater Landesvater," schreibt da Peter Nindler 

Kurier: Chefredakteur Christoph Kotanko schreibt: "Haider war, seit er 1986 in der FPÖ durch einen Putsch der Deutschnationalen an die Macht kam, ein Veränderer heimischer Verhältnisse (…). So sehr seine Braun-Töne, seine Ausländerfeindlichkeit und sein aggressiver Populismus abzulehnen waren (der ‚Kurier‘ hatte hier immer eine klare Linie) – Haiders Kritik an den herrschenden Verhältnissen der Achtziger- und Neunzigerjahre war zum Teil auch berechtigt."

 

Haiders Besuch des Szenelokal "Stadtkrämer" wird im Internet folgendermaßen kommentiert:

Der Internet-Blog Roter Salon berichtet über den Besuch Haiders. Das Internet-Magazin Telepolis zitiert in diesem Zusammenhang auch die Webseite der Homosexuellen-Initiative Wien und verweist darauf, dass – unbeachtet von den österreichischen Medien – bereits seit den Neunziger Jahren Gerüchte über Haiders angebliche Homosexualität im Umlauf sind.

 

Mein Fazit:

Klar ist ein Mensch gestorben. Und logischerweise trauern die Angehörigen.

Aber man sollte Aufpassen, dass Haider nicht zum Mythos und Märtyrer wird!

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Kommentare
  1. pяiиz uиveяzagt's Ma sagt:

    Daß er posthum besser empfunden wird als er war, wird sich kaum vermeiden lassen – die Leute bewunderten und bewundern weiterhin diese Kombination von Dreistigkeit und Erfolg, ein Phänomen, das den Bayern mit ihrer F.J.Strauß-Verehrung nicht fremd ist.
    Zum Glück ist Österreich nicht größer als Bayern, und Kärnten ist nur ein Bundesland von neun, so daß Lichtermeere eher regionale Erscheinungen sind. Befremdliche Figur ist nun sein Nachfolger und "Lebensmensch" Petzner – wundert es denn wirklich so sehr, daß seine Ehefrau für sich und ihre Familie die Medien fürchtet? Wenn die Bayern die Spezialisten sind im Sammerwiederguat, sind die Österreicher die Erfinder des Ganzkörpersamthandschuhs. 

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