Die Hohen Feiertage

Veröffentlicht: 2008/09/28 in Judaica

Hier in Deutschland kennt jeder Weihnachten, Ostern usw.

Aber den Sinn der jüdischen Feiertage, wann sie sind und welche Bräuche sie umfassen, dass wissen nur wenige. Nun möchte ich die Zeit einmal nutzen, darüber einige Infos, Rezepte und Geschichten zu schreiben.

 

 

In Wirklichkeit sind die Hohen Feiertage, die morgen beginnen, mehr als nur die zehn Tage zwischen Rosch haSchanah (Neujahrsfest) und Jom Kippur (Versöhnungsfest). Sie beginnen bereits einen ganzen Monat vor Neujahr mit dem Anfang des Monats Elul (letzter Monat des Jahres).

"In der Synagoge ist jeder Sabbat vor Neumond ein besonderer Sabbat. Doch der Sabbat vor dem Neumond von Elul ist etwas ganz Besonderes, weil von diesem Tag an jeden Morgen bei der Andacht in der Synagoge der Schofar geblasen wird, was die Juden daran erinnern soll, dass die gewaltigsten Tage im jüdischen Kalender näher rücken." [Kolatch, S. 257]

"Am dritten Tag, als es Morgen geworden, brachen Donner los und Blitze zuckten, Gewitterwolken hingen über dem Berg und überaus stark schmetternder Schofarschall war zu hören. Das ganze Volk im Lager bebte." [Exodus 19, 16]

Der Schofar ist das ausgehöhlte Horn eines Widders oder einer Antilope, dessen Spitze zu einem einfachen Mundstück geformt ist. In biblischer Zeit wurde der Schofar als Signalinstrument im Krieg, bei Gefahr sowie beim Tempeldienst verwendet.

"Ursprünglich war das Blasen des Schofars ein Teil des Tempelritus und wurde später in den Synagogenritus übernommen. Der Brauch, im Monat Elul Schofar zu blasen, entwickelte sich im Mittelalter. Es gab eine Überlieferung, der zufolge Moses am ersten Tag des Elul, einen Monat vor Neujahr, auf den Gipfel des Berges Sinai stieg, um die Zehn Gebote zum zweitenmal in Empfang zu nehmen. Er blies das Schofar, um seine Glaubensgenossen daran zu erinnern, nicht zu sündigen und nicht wieder ein Goldenes Kalb zu errichten (wie sie es taten, als Moses die Zehn Gebote zum erstenmal auf dem Berggipfel erhielt). Seit jener Zeit hört man das Blasen des Schofars, das bis dahin nur am ersten Tag des Elul stattfand, an jedem Tag dieses Monats, damit alle Juden an die herannahenden ‚Furchtbaren Tage‘ dachten, achtsam lebten und ihr Verhalten besserten." [Kolatch, S. 261]

Es gibt viele Gründe, die das Schofarblasen begründen, hier einige:

  • An Rosch ha-Schanah wurde die Welt erschaffen. Die Schofartöne sollen jeden erinnern, dass an diesem Tage G’ttes Herrschaft über die Welt begann und dass wir seitdem G’ttes Kinder sind.
  • Der Schofar soll den Menschen aus dem Schlaf des Jahres wecken."Ihr Sündigen, die ihr so tief in eure Verfehlungen verstrickt seid, besinnt euch endlich! Im Himmel wird ja schon geprüft, was ihr dies Jahr hindurch getan habt, es ist Zeit zur Umkehr!"
  • Der Schofar soll die 10 Gebote wieder in den Sinn rufen. Als diese einst am Berg Sinai den Israeliten zuteil wurde, geschah es unter mächtigen Schofarstößen. Damals riefen die Menschen: "Wir tun’s, wir hören’s!", so sollen auch wir uns heute wieder an die Gebote erinnern.
  • An Stelle seines einzigen Sohnes, Isaaks, den zu opfern Abraham bereit war, sollte er einen Widder als Opfer darbringen. Aus dem Horn eines Widders wird die Schofar gemacht.  Er soll erinnern an Abrahams Bereitschaft, sein Liebstes G’tt hinzugeben.

Auf der Schofar spielt man keine Melodie im eigentlichen Sinne, sondern es gibt 4 verschiedene Signale, die seit altersher festgelegt sind:

Tekia: ein langer Ton

Schewarim: drei kurze Töne

Trua: neun rasche Stakkatotöne

Tekia Gedola: der abschließende Ton, ein lang angehaltenes Tekia

 

Advertisements
Kommentare
  1. Mandy sagt:

    Meine liebe Chawa, ich finde es schön, das du immer wieder Themen aufgreifst, wovon die wenigsten hier etwas wissen. Leider ist es so, dass, wenn man schreibt, nur die wenigsten auch das Geschriebene dann lesen. Ich habe da so meine Spaces, wo ich immer wieder zum Lesen komme, so auch dein Space.
    Ich fühle mich hier wohl bei dir. Habe einen wundervollen Sonntag und sei ganz lieb gegrüßt von deiner Freundin Mandy

  2. Monré sagt:

    Hallo Chawa,
    Ja, es ist war! Wir kennen den Ursprung unserer kirchlichen Feiertage, aber von den hohen Feiertagen anderen Religionen haben wir sehr wenig oder überhaupt keine Ahnung. Dies war für mich ein sehr informativer Bericht.
    Liebe Grüße von Maawio, die dir eine gute Woche wünscht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s