19.9.1783 – Ein Riesenschritt für die Ballonfahrt

Veröffentlicht: 2008/09/19 in Geschichte

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Es den Vögeln gleich zu tun, unendliche Weiten – unendliche Freiheit.

 

Es gab viele kleine Schritte, bis dieses Ziel erreicht wurde:

1513 – Leonardo da Vinci läßt eine mit Heißluft gefüllte Heiligenfiguren aus Leinwand zu Ehren der Krönung Papst Leo X. aufsteigen.

1670 – Der Jesuit Francesco Graf Lana di Terzi veröffentlicht ein Buch, in dem er ein Luftschiff, nach dem Prinzip der Magdeburger Halbkugeln (Unterdruck innerhalb der Kugeln), reisen ließ.

1709 – Der brasilianische Jesuitenpater Bartolomeu Lourenco de Gusmão, der in Coimbra studiert hatte, durfte im August in einem Saal des Palastes in Lissabon vor dem portugiesischen König einen 50 cm großen Heißluftballon fliegen lassen. Beim ersten Versuch stieg er ein wenig empor, fing dann aber Feuer. Zwei Tage später gelang das Experiment. (Gemälde von Bernardino de Sousa Pereira)

1766 – Henry Cavendish entdeckt den Wasserstoff und erkennt die prinzipielle Verwendungsmöglichkeit zum Befüllen von Ballonen.

 

1783 war nun aber das Jahr des entscheidenden Durchbruchs in der bemannten Ballonfahrt. 

 

Die erste Montgolfière (Name des ersten Heißluftballons, hat auch noch heute Gültigkeit) waren kugelähnlicher Säcke aus Leinen mit einem Durchmesser von 12 m. Das Innere war mit einer dünnen Papierschicht ausgekleidet. Ein Hanfnetz, das die gesamte Hülle umspannte, hielt das Ganze in  Form. Am 4. Juni 1783 präsentierten die Gebrüder Joseph Michel und Jacques Étienne Montgolfier (französische Papierfabrikanten) diesen, von ihnen selbstgebauten Heissluftballon erstmals öffentlich dem staunenden Publikum ihrer Heimatstadt Annonay. Nach dem Wissen der damaligen Zeit dachten die Brüder Montgolfier, dass Rauch einen Ballon schweben lassen könnte. Strohballen und Wolle (stark rauchentwickelnde Materialien) wurden dazu verbrannt und der Rauch füllte planmäßig den Ballonsack, der sich unbemannt und ohne eigene Wärmequelle in die Luft erhob. Nachdem die Halteseile gekappt worden waren, soll der Ballon bis auf eine Höhe 1500 m gestiegen  und nach 10 min. langsam auf den Boden gesunken sein. und schwebte etwa 2 km weit, bevor er zu Boden sank.

Nach diesem ersten Erfolg wurden die Gebrüder am 19. September 1783 nach Versailles eingeladen. In Anwesenheit des gesamten königlichen Hofes und  vor den Augen von König Ludwig XVI. und Königin Marie Antoinette gelang hier die 1. "bemannte" Ballonfahrt, mit einem Feuer als kontinuierliche Wärmequelle versehene, Heißluftballon der Zeitgeschichte. Die ersten Passagiere waren jedoch keine Menschen, sondern:

ein Tier des Wassers –  eine Ente,

ein Tier des Bodens – ein Schaf und

ein Tier der Luft – ein Hahn.

Der Flug dauerte 12 Minuten und bewies, dass bemannte Luftreisen waren möglich. Der König gab die Erlaubnis, sich der bemannten Luftfahrt zu widmen.

 

Und dann ging es Schlag auf Schlag weiter!

Am 15. Oktober 1783 schwebte der französische Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier – durch Halteseile gesichert – vier Minuten lang 26 m hoch über dem Boden.

Am 21. November 1783 gelang den Brüdern schließlich mit einem schön bemalten Ballon von 22 m Höhe und einem Ballonvolumen von 2000 m3, die erste Ballonfahrt mit Menschen. Sie führte über eine Strecke von ca. 9 km (vom Park des Jagdschlosses Muette bei Paris bis Butte-aux-Cailles) und dauerte 25 Minuten. Diese beiden ersten Piloten der Menschheitsgeschichte waren, der bereits genannte Pilâtre de Rozier und der Infanterie-Offizier Marquis d’Arlandes. Fast die gesamte Fahrzeit waren die beiden Pioniere der Ballonfahrt damit beschäftigt, mit nassen Lappen zu verhindern, dass sich das Papier in der Hülle entzündete.

Pilâtre de Rozier entwickelte den Montgolfière weiter, in dem er Wasserstoff und Heißluft kombinierte. Am 15. Juni 1785 startete er mit einem solchen Heißluft-Gas-Hybrid-Ballon (Rozière) von Boulogne-sur-Mer aus in Richtung England. Nach 5 km und in einer Höhe von ca. 900 m entzündete sich der Wasserstoff. Die Ballonhülle wurde zerstört und die Gondel stürzte ab. Pilâtre de Rozier und sein Mitfahrer Pierre Romain kamen beim Absturz ums Leben. Sie waren die ersten Todesopfer der Luftfahrt.

Links

SWR

Ballonmuseum Gersthofen

Markante Jahre der Ballongeschichte

Persönliche Anmerkung

Die Brüder Montgolfier waren also durchaus nicht die Erfinder des Heißluftballons. Sie ebneten jedoch der bemannten Ballonfahrt den Weg!

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